02-26-2008

Wie entsteht eigentlich ein Hochsicherheits-Rechenzentrum?

In den nächsten Monaten wird Interxion mit der Eröffnung von „Frankfurt5", dem fünften Rechenzentrum in der Mainmetropole, weitere 2.500 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche schaffen. Nach Fertigstellung wurden rund 10.000 Euro je zu vermietbarem Quadratmeter investiert, und es wird eine Verfügbarkeit von mindestens 99,999 Prozent garantiert. Doch wofür wurde das Geld genau verwendet? Wie wird die Verfügbarkeit sichergestellt? Und wie entsteht überhaupt aus einem Gebäude ein Hochsicherheits-Rechenzentrum?

Eine Erweiterung der Rechenzentrums-Fläche von Interxion in Frankfurt wurde notwendig, da immer mehr Unternehmen ihre IT- und TK-Systeme extern an einem hoch gesicherten Ort betreiben möchten. Wichtige Vorteile der Mainmetropole im Vergleich zu anderen Standorten sind unter anderem die bestehende TK-Infrastruktur, die Stromverfügbarkeit und die Verlässlichkeit der Partner in der Region. Da in den bereits bestehenden vier Rechenzentren in Frankfurt viele verschiedene Unternehmen Services in Anspruch nehmen, die auch unter einander in Geschäftsbeziehungen stehen, bestand zudem die Notwendigkeit das neue Rechenzentrum in räumlicher Nähe zu den bestehenden Flächen unterzubringen. 
 
Der Startschuss

Nachdem ein geeignetes Gebäude gefunden wurde, startete ein Team bestehend aus eigenen Mitarbeitern, einem auf den Rechenzentrumsbau spezialisierten Ingenieurbüro, einem Planungsbüro sowie anderen Partnern seine Arbeit. Um das Rechenzentrum so schnell wie möglich bauen zu können und die neuesten Erkenntnisse in Bezug auf Energieversorgung, Klimatisierung, Sicherheit und Energieeffizienz einfließen zu lassen, gab es eine sehr intensive Planungsphase, in die mehr als 25 Personen involviert waren. Der Startschuss für den Umbau der bestehenden Hallen in ein Rechenzentrum fiel dann im feierlichen Rahmen am 23. November 2007.

Im nächsten Schritt muss nun die Architektur des Gebäudes erweitert werden, damit die technische Infrastruktur eingebracht werden kann, das heißt die Großkomponenten für die energietechnische Versorgung des Rechenzentrums. Dazu werden zusätzliche Flächen an die bestehenden Hallen angebaut.

Die Raumaufteilung
Sind die Anbauten fertig, wird in der Halle eine Stahlkonstruktion aufgebaut, die ungefähr 350 Tonnen wiegt. Es wird sozusagen ein neues Gebäude innerhalb der bestehenden Gebäude errichtet, in dem dann die eigentlichen Rechenzentrumsbereiche entstehen. Insgesamt werden drei einzelne RZ-Bereiche abgebildet, die den Kunden zur Verfügung stehen werden. Getrennt werden die Bereiche durch Wartungsgänge, die später die Klimatisierungsinfrastruktur beinhalten. Das hat den Vorteil, dass bei einer Wartung der Kundenbereich nicht betreten werden muss, wodurch die Sicherheit im Rechenzentrum erhöht wird.

Steht die Stahlkonstruktion, werden Zwischenwände eingezogen und ein Doppelboden eingebaut, der mindestens 80 Zentimeter hoch sein wird. Weitere Raumkonfigurationen erfolgen dann individuell auf Kundenwunsch. So können dedizierte Bereiche mit exklusiver Versorgungsinfrastruktur, Flächen innerhalb einer brandgesicherten und klimatisierten Gemeinschaftsumgebung sowie einzelne Rackstellflächen genutzt werden. Auch Frankfurt5 bietet eine hohe Skalierbarkeit für Kunden und so die Möglichkeit, flexibel zu wachsen und Leistungen stark anzupassen.

Strom, Brandschutz und Internetanbindung - garantiert
Parallel zur Errichtung der Zwischenwände wird die Versorgungstechnik in die Anbauten integriert. Die Stromversorgung erfolgt über zwei unterschiedliche Anbindungen. Beide Stromanbindungen können die Gesamtleistung des Rechenzentrums tragen, wobei immer nur eine zum Einsatz kommt. Beim Ausfall einer Leitung springt automatisch die andere Anbindung an. Sollten im Ernstfall beide Anbindungen einmal ausfallen, wird das neue Rechenzentrum durch eine USV-Anlage (2N-Konfiguration) sowie durch zwei getrennte Generatorstationen versorgt. Ein so genanntes „Very Early Smoke Detection Alarm" (VESDA)-System erkennt Brandgefahren bereits im Vorfeld, beispielsweise ein schmorendes Kabel. Im Brandfall wird das Rechenzentrum mit Inergen-Löschgas geflutet. Inergen bindet den Sauerstoffanteil in der Luft, sodass ein Brandherd erstickt wird, für Mensch und Equipment aber keine Gefahr besteht. Ein flächendeckendes, sensibles Leckagesystem alarmiert, wenn Wasser aus einem Kreislauf austritt.

Was die Versorgung betrifft, ist Frankfurt5 autark von den anderen Einrichtungen in Frankfurt. Durch den Interxion-eigenen Glasfaserring wird das neue Rechenzentrum in den Campus integriert, und es können problemlos verschiedenste Verbindungen in die Rechenzentren Frankfurt1, Frankfurt2, Frankfurt3 und Frankfurt4 geschaltet werden. Die Carrieranbindung wird redundant von den beiden großen Carriertrassen aus der Hanauer Landstraße und aus der Weismüllerstraße erfolgen.

Klimatisierung und Sicherheitsvorkehrungen
Für die Klimatisierung werden große Kältemaschinen auf dem Dach installiert. Um die heutigen Standards eines hoch verfügbaren Rechenzentrums einhalten zu können, muss - je nach Bereich - eine konstante Temperatur von 22 bis 25 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent gewährleistet sein. Deshalb steht dem neuen Rechenzentrum immer ein großer Kälteanlagensatz mehr zur Verfügung als eigentlich benötigt wird, in der USV-Technik sogar zwei (2N). Alle Systeme sind auf dem neuesten technischen Stand, vor allem bei den Klimaanlagen macht sich das durch eine deutliche Effizienzsteigerung bemerkbar.

Das Rechenzentrum darf ausschließlich durch autorisiertes Personal betreten werden. Diese Personen sind alle bei Interxion registriert und erhalten eine Zugangskarte mit Lichtbild, mit der sie dann durch die Personenschleuse das Rechenzentrum betreten können. Zur zusätzlichen Sicherheit müssen sie mit einem biometrischen Merkmal, in diesem Fall einem Fingerprint, ihre Identität bestätigen. Nur die Kombination verschafft ihnen Zutritt. Um den höchsten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden, gibt es zusätzlich noch Kameraüberwachungen und Sicherheitspersonal vor Ort - rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr.

Fertigstellung
Bereits im dritten Quartal 2008 soll Frankfurt5 fertig gestellt sein.

Ausbau des Hochsicherheits-Rechenzentrums Frankfurt5
 

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